Unser Tag bei der Caritas

Ah, Freitag. Für viele der wohlverdiente Start ins Wochenende. Für uns: Leider fast schon das Ende unserer Reise. Aber bevor wir am Samstag und Sonntag in die österreichische Heimat zurückgeflogen sind, ging es noch zu einem sehr wichtigen Termin: Der Vortrag über die Projekte der Caritas International und der Besuch des Projektes „Zumrad“. Dazu später mehr.

Wir wurde um 10.00 Uhr von Parviz, einem deutschsprechenden Tadschiken, der einige Zeit in Deutschland und als Freiwilliger in Afrika gewesen war, von unserem Hotel angeholt. Eines fiel uns gleich auf: Der Geländewagen, den er fuhr, hatte nicht wie andere Fahrzeuge ein weißes, sondern ein grünes Kennzeichen. Er klärte uns darüber auf: Weiße sind für „Normalsterbliche“, Grüne bekommen NGOs, Rote sind für Diplomaten und Blaue bescheinigen, dass es ein Fahrzeug der UN ist. Ebenfalls interessant: Die grünen NGO-Tafeln sind in drei Blöcke eingeteilt: 007 XX 123. Der zweite und der dritte Block sind ganz normale Zuordnungsvariablen, doch beim ersten Block handelt es sich um den Nummerncode für das Land (hier: Deutschland), und zwar in der Reihenfolge, in der die Länder die Unabhängigkeit Tadschikistan nach Zerfall der Sowjetunion anerkannt haben (Sprich: Deutschland war das 7. Land). Genug von Tafelkunde, zurück zur Caritas.

Die Fahrt dauerte nicht lange, keine 10 Minuten, und wir standen vor dem Einfahrtstor der Caritas Deutschland in Tadschikistan:

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Von außen sieht es wie ein normales, ebenerdiges Wohnhaus aus. Innen begrüßt einem aber ein begrünter Innenhof mit Bänken zu Ausruhen.

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Bobo-Speckgürtel-Heaven!

Dort saßen zwei deutsche Studenten, die an der Idee der Tajik-Rally und die der Charity Gefallen fanden, aber sich mehr Zeit genommen hatten und das Fahrzeug direkt an die Caritas gespendet haben. Nach kurzer Begrüßung und Vorstellung setzten wir uns in einen Präsentationsraum, da Parviz und Zarinamo, eine Beschäftigte der Caritas, uns eine kleine Einführung über ihre Projekte in Tadschikistan geben wollten.

So hat die Caritas gerade mehrere Projekte in Tadschikistan am laufen:

  • Projekt „Khirad“: Tadschikistan ist ein sehr armes, sehr junges Land. Etwa 2/3 der Bevölkerung ist unter 18 Jahre, die Arbeitslosenrate ist sehr hoch. Dadurch geraten viele junge Menschen auf die schiefe Bahn und werden von Drogen und Alkohol vereinnahmt. Was die Caritas macht: Sie geht aktiv auf die Kinder und Jugendliche hin und bietet ihnen in in Workshops Alternativen und Beschäftigungen an. So können diese z.B. lernen, wie man Gitarre spielt, einen Haushald führt, mit dem Computer umgeht oder wie man Wandert. Es geht darum, dass man die Kinder von den schlechten Einflüssen wegholt und sie ganz einfach beschäftigt, um ihnen zumindest einen kleinen Lichtblick in der Trostlosig- und Perspektivlosigkeit zu geben.
  • Projekt „Zumrad“: Dazu später mehr.
  • Behindertenbetreuung: In der tadschikischen Gesellschaft, vor allem in ländlichen Gebieten, ist es nach wie vor so, dass ein behindertes Kind eine „Strafe Gottes“ darstellt. Deshalb werden behinderte Kinder und Erwachsene oft daheim versteckt und den ganzen Tag einfach liegengelassen. Der Staat hatte oft keine offiziellen Zahlen über die bedürftigen Menschen, da sich diese für ihr Kind schämten. Die Caritas hat folgendes gemacht: Sie sind von Ort zu Ort, von Tür zu Tür gegangen und haben die Leute persönlich gefragt, um die genaue Höhe der beeinträchtigten Menschen zu erheben. Dies wurde in eine Datenbank eingespeist und brachte folgendes Ergebnis: In manchen Gegenden Tadschikistans befindet sich der prozentuelle Anteil der behinderten Menschen bei 2 % der Gesamtbevölkerung. Zuerst sehr dagegen, schätzt die Regierung das Engagement der Caritas immer mehr und übernimmt mittlerweile sogar diese Datenbank. Aber nicht nur das: Die Caritas versucht den Menschen zu lehren, dass sie mit den Beeinträchtigten auch Übungen machen können, um sie zu mobilisieren und damit ihre Lebensqualität zu sichern. Dazu gibt es eigene Geräte, die selbst gebaut und gewartet werden, oft durch Ausgebildete aus dem Caritas-Projekt „Khirad“.
  • Altenbetreuung: Alte Menschen, die niemanden mehr haben und den ganzen Tag daheim sitzen, werden aus ihren Häusern geholt und sie werden durch Beschäftigung und Gespräche aus ihrer Tristesse geholt. Auch besuchen die Senioren manchmal die Jugendlichen, um ihnen Geschichten von früher zu erzählen oder Lebensweisheiten zu teilen.
  • Lebensnotwendige Operationen für Kinder werden organisiert und unterstützt, da es in Tadschikistan oft an spezifischen Einrichtungen mangelt und so die Patienten oft ausgeflogen werden müssen (z.B. nach St. Petersburg). Der Großteil der Spendeneinnahme durch die TajikRally geht für diese medizinischen Eingriffe drauf.

Das sind nur einige der Projekte, die die Caritas in Tadschikistan betreut.

Jedes Team bekam auch noch eine Urkunde mit den gefahrenen Kilometern (Wir: 6.155,4) ausgefolgt. Zusätzlich bedankte sich die Caritas bei uns mit einem kleinen Geschenk, einer typisch pamirischen Kopfbedeckung.

Nach diesem kleinen Vortrag ging es zu einem lokalen Projekt namens „Zumrad“.

Es gibt Kinder und Jugendliche in Tadschikistan, die ohne Eltern aufwachsen müssen und deswegen in staatseigene Internate gesteckt werden, wo sie dann bis zum Ende der Schulpflicht (15. Lebensjahr) beherbergt werden und dann in die unbekannt Welt entsandt werden. Die Schüler dieser Internate dürfen kaum raus und können lernen somit nie die Herausforderungen und Probleme der Welt kennen. Da sie vom Internat versorgt werden, können sie nicht einmal für sich selbst sorgen. Auch sind ihnen Behördenwege, Rechte und Pflichten unbekannt. Oftmals ist es nach ihrer Ausbildung dann so, dass sie aufgrund der Überforderung und Objektivlosigkeit alkohol- oder drogensüchtig werden. Deswegen hat sich das Projekt „Zumrad“ vorgenommen, die Kinder unter ihre Fittiche zu nehmen und ihnen einiges beizubringen.

Geführt wird das Projekt von Margarita Anstolevna. Sie kam in den damals, in der Sowjetunion, als Touristin zum Wandern nach Tadschikistan. Und blieb. Sie war zuerst Bergführerin und verdiente ihr Geld damit. Als sie damals über die Zustände in den Internaten erfuhr, begann sie, mit den Kindern zu arbeiten und alles entwickelte sich seit damals von selbst. Zuerst ging sie mit den Internatsbewohnern nur wandern, um sie so von der tristen, eingesperrten Welt ein bisschen rauszuholen. Mittlerweile hat das Projekt, welches in mehreren Wirtschaftsgebäuden untergebracht ist, viele Sparten.

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Und wurde das von ehemaligen Waisen vorgestellt, die heute im Projekt mitarbeiten:

Rachmon ist der Leiter der Musikabteilung, wo er mit den Kindern und Jugendlichen Gesangs- und Instrumentenworkshops macht. Besonders Stolz ist er auf eine seiner Schülerin, da diese es bis ins Finale der russischen Version von „DSDS“ geschafft hat. Man konnte seine Leidenschaft für Musik und sein Projekt aus seiner Präsentation raushören.

Roma wurde mit einem fast funktionslosen, linken Hand geboren und verbrachte seine Zeit im Internat. Aber dadurch, dass er einen starken Bewegungsdrang hat, wollte er immer Sport betreiben und begann, Basketball zu spielen. Er war nicht nur der beste Sportler des Projekts, sondern sogar so gut, dass er als tadschikischer Teilnehmer zu den Asian Paralympic Games 2017 und zu den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro entsandt wurde. Er zeigte uns auch seine Medaillen. Wir können nun auch behaupten, dass wir einen Olympioniken kennengelernt haben! Er hat auch bei Wander- und Klettertouren mitgemacht. Nun verdient er sein Geld damit, Fassaden und Fenster von Hochhäusern zu reinigen, was aufgrund seiner Beeinträchtigung bemerkenswert ist.

Marina zeigt den Waisen, wie man einen Haushalt führt und kocht. Sie haben auch schon für große Veranstaltungen Caterings gemacht. So kommt ebenfalls Geld in die Kassen des Projekts. Churshed ist der Leiter der Theatergruppe. Zuerst waren es nur kleine Privataufführungen, aber aufgrund der Qualität der Produktionen wurden schon einige Aufführungen im Nationaltheater in Dushanbe aufgeführt. Fachriddin erklärt den Kindern die Welt der Computer und den sicheren Umgang damit. Außerdem erfahren sie in diesen Kursen, wie man das Internet für die Vermarktung des eigenen Geschäftes nutzt und Behördengänge erledigt. Aleksandr hat die Aufgaben der Leiterin in der Touristenführungen übernommen und bildet auch Internatsschüler als Bergführer aus, damit diese nach der Schule damit Geld verdienen können.

Nach den informativen Vorträgen führte man uns in Nähzimmer. Dort wurde uns erklärt, dass sie Waisen lernen, wie man sein eigenes Equipment (Schlafsäcke, Zelte) herstellt. Doch nicht nur das: Das Projekt will das Equipment vermarkten und an Touristen verkaufen. Im Garten waren auch die zwei aktuellen Prototypen ausgestellt, welche wir begutachten durften.

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Angeblich ist das Zelt für 2 Mann geeignet. Es kommt am Bild nicht so rüber, aber wenn das Zelt für 2 Mann geeignet ist, sind manche Wiener Wohnungen nicht besser als dieses Zelt. Die sind RIESIG. Es gab auch noch ein 4-Mann-Zelt. Man kann dieses vom Weltall sehen (nicht wirklich, aber man könnte darin fast leben).

Was sollen wir sagen: Es ist schön zu sehen, dass mit dem Geld, welches aus der Auktion und durch EURE SPENDEN lukriert wird, auch sinnvolles passiert und es nicht nur in dunklen Kanälen versickert. Deswegen haben wir an dieser Rally teilgenommen und wir sind auch ein bisschen stolz darauf.

Wir waren also fertig hier. Die Reise war zu Ende. Am Samstag flog Peter nach Hause (mit 10 Stunden Flugverschiebung), am Sonntag Christian.

Es kommt noch ein Folgepost von mir (Christian), in dem ich noch ein bisschen über die Reise sinnieren und meinen Gedanken freien Lauf lassen werde.

Die Spendenseite (Link unter „Spenden“) ist noch bis Oktober geöffnet. Ich denke, dass es Euch nun leichter fällt, ein bisschen zu geben, wenn Ihr wisst, was mit den Spenden konkret passiert. Jedes kleine Bisschen hilft, jeder Cent ist wertvoll. Bitte unterstützt die Caritas dabei, ihre tollen Projekte weiterzuführen. Danke!

 

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Ein Gedanke zu „Unser Tag bei der Caritas“

  1. Hallo Peter und Christian, vielen Dank für euren wahnsinnig ausführlichen Bericht vom Besuch unserer Kollegen in Tadschikistan. Da wird echt gut deutlich, was die dort leisten. Wir sagen in ihrem Namen auch vielen Dank für die Spenden, die ihr gesammelt habt.
    Hier gibts übrigens noch ein paar Zusatzinfos auf unserer Seite: https://www.caritas-international.de/wasunsbewegt/veranstaltungen/tajik-rallye
    Herzliche Grüße
    Marc | Caritas international

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